Im Rahmen der Materialismus-Reihe
Noch immer – vielleicht mehr denn je – scheint sich die linke/feministische Szene an der Frage des Universellen und seiner Materialität zu spalten: Wenn es kein Wir der Frauen (mehr) gibt, was hält den Feminismus zusammen? Was ist mit dem Wir der Arbeiter:innen in einer neoliberalen „Gesellschaft der Singularitäten“, in deren Versprechen von individueller Freiheit sich ein Angriff auf kollektive Wehrhaftigkeit gegen kalte Kapitalverhältnisse verbirgt?
In dieser Debatte positioniert sich auf der einen Seite ein selbstbezeichneter materialistischer, zuweilen differenz- oder radikalfeministischer Ansatz und auf der anderen Seite ein intersektionaler, queerer, oft postkoloniale Feminismus. Aus Sicht des Queerfeminismus betreibe die erste Position eine Essentialisierung der Frau. Aus Sicht des Differenzfeminismus ignorierten Queere-Ansätze die materiellen Bedingungen des Frauseins im Patriarchat. Virulent lassen sich diesen Lagerbildungen an Diskussionen um Sexarbeit, Transgender, Körper, Haupt- und Nebenwiderspruch usw. beobachten.
Inwiefern der Gegensatz zwischen Identitätspolitik/Queer/Intersektionalität vs. Universalismus/Feminismus/Materialismus zumindest theoretisch oftmals ein falscher ist, versucht der Vortrag zu zeigen. Stattdessen wir ein queerer Materialismus vorgeschlagen, der dort vermittelt, wo es möglich ist, dabei aber die Widersprüche beider Seiten nicht zudeckt.
Damit verbunden soll der Notwendigkeit eines neuen Universalismus und dessen Möglichkeitsbedingungen nachspürt werden. Ein queerer Materialismus versucht eine Gesellschaftskritik zu formulieren, die den Kapitalismus als negatives Universelles adressiert, ihn mit einer Kritik der Geschlechterverhältnisse vermittelt und vor diesem Hintergrund eine politische, solidarische Praxis des Universellen zu bestimmen versucht.
Termin:
27. Februar, 19 Uhr
ZGK Scharni (Scharnweberstr. 38, Berlin Friedrichshain)
Wir rechnen mit viel Interesse. Kommt rechtzeitig!
Bitte klingeln. Der Zugang ist leider nicht barrierefrei.
